Neuer „Brot für die Welt“- Botschafter

Marius Blümel (Foto: Frerk Hinrichs)

Marius Blümel wird künftig die Brot für die Welt-Arbeit in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg und in der Evangtelisch-reformierten Kirche präsentieren. Der 50-Jährige ist Anfang des Jahres mit Familie von Südafrika nach Oldenburg umgesiedelt. Als Brot für die Welt-Referent wird Blümel seine Vorträge immer auch mit persönlichen Eindrücken und Erlebnissen verbinden können. Denn 15 Jahre hat Blümel in Südafrika gelebt und in verschiedenen Entwicklungshilfe-Projekten mitgearbeitet.

Das Leben in Deutschland erlebt Blümel im Vergleich zu Südafrika als ruhig und besonders sicher. In Südafrika sind die Einkommensunterschiede riesengroß. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 80 Prozent sei es nicht verwunderlich, dass Jugendliche versuchen sich auf illegalen Wegen, etwas Geld zu verdienen, meint er. Kriminalität sei eine Folge fehlender sozialer Absicherung. Doch diese treffe meist die Menschen, die nur wenig mehr haben als die Jugendlichen. Reiche haben Geld und Möglichkeiten sich zu schützen. In Südafrika existieren dadurch verschiedenen Welten direkt nebeneinander, so seine Erfahrungen.

Wie groß der Unterschied ist lasse sich an folgenden Zahlen ablesen, so berichtet Blümel: "Etwas mehr als 57 Prozent der Menschen in Südafrika müssen mit umgerechnet fünf Euro am Tag auskommen. Jeder Fünfte hat sogar weniger als 1,70 Euro am Tag zur Verfügung. Jeder Dritte aus dieser Gruppe hat nicht nur zu wenig Geld: Es fehlt an Bildung, Gesundheit. Lebensstandard, Ernährung und Wohnsituation sind von Entbehrung und Mangel gekennzeichnet." Auch die Weltbank weise darauf hin, dass in Südafrika besonders viele extrem arme Menschen leben. Die Kennzahl der Weltbank ist das Bruttoinlandsprodukt. Es beträgt in Südafrika pro Kopf 5.750 Euro. In Deutschland liegt es bei 47.662 Euro im Jahr.

Auf Südafrika aufmerksam geworden ist Blümel bereits in seiner Schulzeit. Als 19-Jähriger habe er auf Einladung eines engagierten Lehrers Südafrika und Namibia bereist. Danach habe für ihn festgestanden: "Hier komm ich noch mal her." Nach zwei Semestern Sozialökonomie unterbrach Blümel sein Studium der Erziehungswissenschaften in Kiel und reiste 1994 kurz vor den ersten freien Wahlen für ein Praktikum nach Südafrika. Zwei Jahre später folgte noch ein Aufenthalt in Tansania. Nach dem Studium arbeitete Blümel im Braunschweiger Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft und im Jugendamt der Stadt Wolfsburg. Parallel bewarb er sich für eine Tätigkeit in den Townships von Kapstadt. Townships sind während der Rassentrennungspolitik in Südafrika als Wohnsiedlungen für die schwarze, farbige oder indische Bevölkerung eingerichtet worden. Manche dieser Townships sind so groß wie Städte mit hunderttausenden Einwohnern.

In mehreren aufeinander folgenden Projekten arbeitete Blümel vor allem in der Kinder- und Jugendarbeit der New World Foundation. Diese soziale Einrichtung in der Nähe von Kapstadt ist in einer Partnerschaft mit evangelisch-reformierten Gemeinden und dem kirchlichen Zentrum für Mission und Ökumene verbunden.

Die morgendliche Fahrt in die Townships sei jedesmal wie eine Reise in eine andere Welt gewesen, erzählt Blümel. Südafrika sei ein Schwellenland. Gesellschaftliche Trennlinien verliefen noch heute entlang der Einkommen. Die Rassentrennung garantiere den Weißen auch 25 Jahre nach der Apartheid noch hohe Einkommen. Die anderen lebten an der Armutsgrenze. Dabei seien die Lebenshaltungskosten in Südafrika eher höher als in Deutschland.

Blümel freut sich darauf, als Brot für die Welt-Referent über das Leben der Menschen in Afrika und der Länder des Südens zu berichten. Er hatte sich auf die Stelle in Oldenburg beworben, nachdem seine Vorgängerin Millicent Botsio wieder zurück in ihr Heimatland Ghana gegangen ist.

23. Januar 2020
Frerk HInrichs (Diakonie in Oldenburg)

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